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Ungewollte Revolte

Die Musiktheater-AG des Ratsgymnasiums zeigt in dem Dokudrama „Wo soll das alles enden?“ von Jürgen Wiemer das Stadthagen von 1968 zwischen aufständischer Aufsässigkeit und bürgerlichem Beharren. Am 24. und 25.9. um 19.30 Uhr in der Aula des RGS.

1968 – das ist Studentenrevolte, Hippies, Vietnam! 1968 – das ist Autonomiebestrebung, Demokratisierung, Widerstandsgeist! 1968 – das ist sex and drugs and rock’n‘roll! 1968 – das ist Paris, Berlin, Frankfurt und Stadthagen! Stadthagen???

„So etwas gab es alles nicht an unserer Schule.“, beeilt sich Oberstudiendirektor Stracke, der Schulleiter des Ratsgymnasiums von 1968, in dem Stück zu beschwichtigen. Seine sorgfältige Buchhaltung über alle Schulgeschehnisse, die hier als Grundlage des Stückes dienen, offenbart aber eher unfreiwillig: So etwas gab es sehr wohl in Schaumburg! Anders natürlich als in den Metropolen und Studentenhochburgen. Vorsichtiger, tastender und immer direkt mit dem massiven, teilweise aggressiven Gegenprotest des Schaumburger Bürgertums konfrontiert.

Genau dieser Frage „Wie zeigte sich 1968 jenseits der urbanen Zentren im eher ländlich geprägten Raum?“ – von der Forschung kaum beachtet – ging Dr. Lu Seegers von der Schaumburger Landschaft u.a. auch zusammen mit Schülern und Studenten auf den Grund. Das Schaumburger Land, Stadthagen, das Ratsgymnasium sind Beispielorte, an denen gesellschaftliche Reflexe auf die Jugendrevolten um 1968 zum 50-jährigen Jubiläum untersucht wurden. Die in turbulenten Zeiten in Ordnungswut penibel geführte Schulchronik des Schulleiters Stracke ist hier eine der zentralen Quellen, die die erwachende Kritik der Jugendlichen und die erbitterte Gegenwehr der Erwachsenen zeigen.

Autor Jürgen Wiemer arbeitet diese spannenden Zeugnisse in das Dokumentar-Drama „Wo soll das alles enden?“ um: Auf der Basis von Strackes Schulchronik, der Schulzeitung „Nesselblätter“ und zeitgenössischen Zeitungsartikeln setzt sich so ein vielfältiges Mosaik der Zeit um 1968 zusammen: Vietnamgebet und Paukerfilm, die Rolling Stones und Heintje, Drogenexzess und Generalanzeiger-Gegenpropaganda.

Mit der Unterstützung der Schaumburger Landschaft und der Kulturstiftung Schaumburg wendet sich die Musiktheater-AG hiermit also diesem ganz anderen Stoff zu. Nach den viel gerühmten Aufführungen der vergangenen Jahre („Gatsby“, „Schöne neue Welt“, „Sommernachtstraum“) sowie dem deutschen Nationalepos „Die Nibelungen“ im März diesen Jahres zeigt die Gruppe das Ratsgymnasium 1968 im Ratsgymnasium 2018. Sie begibt sich also auf die Suche nach den eigenen Wurzeln, lernt den Protest gegen die Starrheit und Autoritätshörigkeit der Nachkriegsgesellschaft als Kampf von Ex-Mitschülern für die eigene Sache an der eigenen Schule kennen. Das RGS-Musiktheater inszeniert dies mit einem über 20-köpfigen Schauspielensemble. Chorische und choreographische Elemente spielen wie immer eine große Rolle, klassisches Rollentheater ist das nicht mehr, wenn das Schauspielkollektiv die eigene Geschichte – immer auch kommentierend - nacherzählt, nachspielt, nachsingt.

So wichtig wie damals für die Jugendbewegung ist für die Inszenierung die Musik: Berühmt gewordene Songs, live gespielt von einer fünfköpfigen Band, lassen die Rhythmen und den Sound jener Jahre wieder lebendig werden. Titel von den Stones, Beatles, Kinks und vielen anderen mehr sind zu hören. Mit dabei Reinhard Mey, der 68 auf Einladung der Schüler im RGS gastierte, ein legendärer Song von Hannes Wader, der Top-Titel der Aussteiger-Ikone Steppenwolf, der Song der Siegerband eines Beat-Wettbewerbs und natürlich das 68er-Lieblingslied aller Schwiegermütter. Für das Stück wurden diverse Musiktitel vom musikalischen Leiter Dietmar Post neu arrangiert bzw. instrumentalisiert.

So ersteht dann der 68er-Zeitgeist auf der Bühne des Ratsgymnasiums aus den trockenen Quellen auf und tanzt und singt und streitet und lacht. Eine Dokumentation als Musik-Tanz-Schauspiel, die Altes neu, lebendig und ganz aktuell zeigt: als Auseinandersetzung um die Durchsetzung neuer Ideen.

Karten kosten 9 Euro (ermäßigt 6 Euro) und können an der Abendkasse, in der Schule vor dem Schulsanitätsraum sowie im iPunkt/Stadthagen gekauft werden.

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