Layout

Cpanel

Schüleraustausch mit Biel

Basisinformationen und Erfahrungsbericht

Ein Austausch mit der deutschsprachigen Schweiz??? Wie kommt denn das???


Der Sinn eines Austausches mit der Schweiz erschließt sich dem Außenstehenden auf den ersten Blick nicht ohne weiteres, denn zum einen fehlt der unmittelbare sprachliche Anlass (als übliches Kriterium solcher Kontakte), zum anderen wird das Land von Deutschen unabhängig von schulischen Anlässen bereits oft besucht.
Interessant ist, dass die Initiative des Austausches von Schweizer Seite ausging. Diese wollte auf Anregung der heimischen Wirtschaftsverbände die relative Isolierung des traditionell neutralen Landes durchbrechen und Kontakte für junge Leute mit anderen europäischen Ländern, u.a. der BRD, fördern. Zu diesem Zweck wurde Anfang dieses Jahrhunderts ein finanziell großzügig ausgestattetes Projekt angestoßen, in dessen Verlauf sich der Kontakt zwischen dem RGS und dem Gymnasium Biel ergab, auf dessen Seite ein deutsch-schweizerischer Kollege der Motor war, der nach dem 2. Weltkrieg als Kind einen Teil seiner Jugend in Bückeburg verbrachte und daher auf den Bewerber RGS aufmerksam wurde.

Basisinformationen

Biel (ca. 55000 Einwohner) ist eine bedeutende Industriestadt und als solche Heimat der schweizerischen Uhrenindustrie, deren bedeutende Marken (Omega, Swatch usw.) ihre Firmensitze in der Stadt haben.
Gelegen am Jura und am Bieler See, pflegt die Stadt seit Jahren eine Politik der Zweisprachigkeit, um das Zusammenleben ihrer beiden größten Bevölkerungsgruppen (deutsch- und französischsprechende Einwohner) zu erleichtern.
Folglich ist im öffentlichen Leben alles zweisprachig ausgewiesen, wenngleich die betreffenden Schülerinnen und Schüler in separate Schulen gehen.
Verlässt man Biel in Richtung Süden (Neuchâtel), überquert man sofort eine (unsichtbare) Sprachgrenze, die seit über 200 Jahren hier existiert - jenseits dieser "Grenze" wird nur noch Französisch gesprochen.
Das Deutsche und das Französische Gymnasium stehen beide auf dem gleichen Grundstück in reizvoller Lage, nämlich in einer weitläufigen Parklandschaft direkt am örtlichen See (einem von drei Seen dieser Region).
Bemerkenswert ist ferner ihre Architektur- beide Gebäude sind komplett von großflächigen Fensterfronten geprägt, während die Mensa sie unterirdisch verbindet.
Die Schule wird von ca. 800 Schülerinnen und Schülern besucht, die aus dem näheren Umland stammen und täglich vor allem mit der Bahn anreisen.
Das Gymnasium wird lediglich von knapp 20 Prozent eines Jahrgangs besucht, die Unterrichtssprache ist offiziell Hochdeutsch. Im Alltagsleben der Schülerinnen und Schüler dominiert allerdings das Berner Deutsch, benannt nach dem gleichnamigen Kanton, in dem die Stadt liegt.
Der Austausch fand 2002 zum ersten Mal statt und wird seitdem fast jährlich durchgeführt mit jeweils ca. 20 Schülerinnen und Schülern. Aufgrund der besonderen kulturellen Beziehungen zwischen den beiden beteiligten Ländern widmet er sich projektartig stets Fragen von Inter- und Multikulturalität sowie der Rolle, die dabei der Sprache für das Zusammenleben der Bürger zukommt.
Beide Seiten verbringen jeweils eine Woche im Land des Gastgebers, die Kosten belaufen sich auf ca. 120 €.

Schülerinnen-Austauschbericht 2014

Unser Schweiz-Austausch begann sehr früh an einem Samstagmorgen. Wir fuhren mit dem Zug in das Schweizer Seenland, in die Nähe von Bern, nach Biel. Biel ist gefühlt so groß wie Hannover, hat aber nur rund 100.000 Einwohner. Die Stadt ist umringt von Bergen und man hat einen schönen Blick auf den großen Bieler See.

 

 

In Deutschland hatte es geregnet, aber je näher wir Biel kamen, desto besser wurde das Wetter. Neben dem Kulturprogramm wie z. B. einem Besuch im Bieler-Museum oder dem Theaterstück der Austauschschule, dem Besuch einer „Schoki-Fabrik" (ja: Schweizer Schokolade ist wirklich besser als unsere) und einer Wanderung durch die Twanbach-Schlucht haben wir auch am Schulunterricht des Gymnasiums am See teilgenommen. Das Gebäude ist groß und liegt nur ca. 50 m vom See entfernt. Der auch ganz in der Nähe liegende „Migros" (der coolste Supermarkt in der Schweiz) war Anlaufpunkt für die Versorgung in den Schulpausen. In der ersten Stunde bekamen wir gleich eine Lektion in „Schwizerdütsch". Wenn jemand langsam spricht, ist es zu verstehen, aber im Normaltempo kommt es einem wie eine unbekannte Sprache vor.

 

Auch ein Tagesausflug nach Bern gehörte zum Programm. Dort konnten wir nach gefühlten 300 kräftezehrenden Stufen die Aussicht auf die Stadt und die Alpen von einem Kirchturm aus genießen. Nach einer wunderbaren Woche mit viel Sonnenschein hieß es leider schon Abschied nehmen.

Die Wiedersehensfreude war dann riesig beim Gegenbesuch in Stadthagen. Es war, als hätten die Schweizer ihre Gelassenheit einfach mitgebracht. In den nächsten Tagen fand man die Austauschschüler häufig schlafend (auch in der Schule) vor, denn das abendliche "Public Viewing" der Fußball-WM gehörte genauso zum Programm wie die Stadtführung in Stadthagen. Am dritten Tag des Gegenbesuches fuhren wir gemeinsam nach Hannover, wo wir uns nach einer kleinen Stadtführung mit einem Picknick in den Herrenhäuser Gärten für den freien Nachmittag stärkten. Den gemeinsamen Abschluss des Austausches in Stadthagen bildete eine Wanderung auf den Bückeberg mit anschließendem Grillen.

Die meisten deutschen Austauschschüler begleiteten die Gäste dann noch in die Bundeshauptstadt. Das Programm dort war umfangreich. Wir sind sehr viel gelaufen: Bundestag, Siegessäule, Eastside Gallery, Tränenpalast und Hackesche Höfe. In der kurzen Freizeit aßen wir die beste Currywurst Berlins (am Bahnhof Zoo) bei leider nicht ganz so schönem Wetter. Am nächsten Tag sagten wir dann leider endgültig „Tschüss". Es flossen Tränen und unter langem Winken verließen wir Deutschen Berlin. Die Schweizer blieben noch einen weiteren Tag dort bis sie mit dem Nachtzug wieder heimfuhren.

Template Design Ext-joom.com