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Partyrausch (SN 13.07.15)

Theater-AG des RGS feiert Abschlussvorstellung des Stücks „Der große Gatsby"

 

Stadthagen. Jay Gatsby (Léon Romeike) ist ein Phänomen der New Yorker Oberschicht. Seine rauschhaften Partys genießen einen legendären Ruf. Dabei dient die Glitzerfassade nur ei­nem Zweck: Gatsby will seine große Liebe Daisy (Helene Dettmer) zurückerobern, die mit dem reichen Tom (Vincent Hagen) verheiratet ist. Der ist zwar ein arroganter, untreuer Schnösel, kann Daisy aber das bieten, was Gatsby vor seiner Wandlung zum schillernden Partykönig nicht konnte: Ein Leben in Saus und Braus.

Mit dem Stück „Der große Gatsby“ hat die Theater-AG des Ratsgymnasiums (RGS) die Goldenen Zwanziger auf die Bühne gebracht und am Freitag eine umjubelte Abschlussvor­stellung gefeiert.

„Daisy ist der Grund, der Kern, die Idee meiner Exis­tenz“, antwortet Gatsby auf die Frage, wer er eigentlich ist. „Daisy und ich haben uns ken­nengelernt, als ich noch zu we­nig war. Dieser Fehler ist nun ausgelöscht, ich habe die ver­schwommene Figur Jay Gatsby mit Substanz gefüllt.“

Damit unterwirft sich Gatsby den Regeln einer sich durch die Abgrenzung nach unten defi­nierenden Gesellschaft, in der es auch bei der Partnerwahl vor allem um die Sicherung des ei­genen Status geht. Denn, dass weiß auch Daisys Freundin, die kühle Jordan (Franziska Ull­rich): „Ich hätte beinahe einen Mann geheiratet, der unter mir steht. Aber du sollst updaten, nicht downdaten.“

Warum dies so wichtig ist, zeigt auch der Blick in die kleinbürgerliche Existenz des Tankstellenbesitzers George (Firat Bingöl). Seine Frau Myrtle (Hannah Schulz) lässt sich von ihrem Geliebten Tom nur allzu gerne in die Verlockungen der „Material World“ einführen - und nimmt dafür in Kauf, wie Dreck behandelt zu werden. Als Tom ihr die Nase zertrümmert, weil sie sich seinen Befehlen wi­dersetzt, ordert er für sie vom Arzt eine Neue. „Das beste Mo­dell.“ Der Wert des Liebesspiel­zeugs soll erhalten bleiben.

Geld regiert die Welt. Dass sich die Mitglieder der Wohl­standsgesellschaft nur dadurch auszeichnen, dass sie sich phlegmatisch auf dem teuren Sofa lümmeln, während sie dar­über klagen, dass die Werte der nordischen Rasse „unter den Hufen der wilden Horde von Einwanderern zertrampelt wer­den“, könnte als Anspielung auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte verstanden werden. Zumal Tom im nächsten Atemzug den Geburtenreichtum der Unter­schicht beklagt - Sarrazin, ick hör dir trapsen.

Auch das reduzierte, aber ef­fektive Bühnenbild, die tollen Kostüme und eine perfekte mu­sikalische Untermalung trugen dazu bei, dass es der Theater- AG gelungen ist, den Roman­klassiker von F. Scott Fitzgerald unaufdringlich zu modernisie­ren.

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